Theorie der Langeweile (trudi.sozial) - theory of boredom
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Garantiert kein Club! Keine Party!
Loc: Allerheiligenstr. 7, 60313 Frankfurt

 

Theoriesitzung IV (25.5. 2003)

Warhol und der Beruf der Zukunft

Der Abend ist Andy Warhol gewidmet, der unserem Seminarteilnehmer Bruder Siegmund etwas wichtiges mitzuteilen hat.

Karteikarten füllen

Fleissige Besucher füllen die gelben Karteikarten aus, die Stichwort zur Langeweile enthalten.

Besucherlektüre

Schweigend ins Gespräch vertieft, ist es duchaus erlaubt sich der Lektüre zu widmen.

Christoph Reimann Laptopmusik

Christoph Reimann integriert sich mit seiner Laptopmusik fast vollständig ins Geschehen. Sie ist die moderne Lagerfeuerbegleitung.

"Ich mag langweilige Sachen. Es gefällt mir, wenn etwas immer wieder genau das gleiche ist ... Je öfter man nämlich genau dasselbe sieht, desto mehr verschwindet die Bedeutung, und desto besser und leerer fühlt man sich."
(Andy Warhol)

Warhol ist der grösste dadaist unter den amerikanischen künstlern, der wohl ohne zu zögern des ober-dada Baaders definition, dada sei die amerikanische form des buddhismus, unterschrieben hätte.

Im obigen zitat finden sich zwei momente der langeweile; einmal, banal, ihr dingcharakter: langweilig ist dieses oder jenes, - in seiner subjektiven anschauung, weswegen es bei trudi.sozial auch nichts explizit langweilig gemeintes gibt, also langweilige musik oder langweilige getränke. Denn was dem einen langweilig vorkommt, kann der anderen höchst spannend sein.

Das andere moment ist die differenzlosigkeit. Das immer gleiche lässt alle unterschiede verschwinden, in einem grauen einerlei versinken, nivelliert die bedeutung (Frege hätte hier allerdings "sinn" eingesetzt), so dass dann tatsächlich leere eintritt. Leere bezeichnet als abwesenheit eine fehlstelle, die in ermangelung des fehlenden, nur noch als solche bemerkt werden kann. Wahrhol geht darin nicht weiter, aber es ist naheliegend zu vermuten, dass er eben genau diese leere positiv wertet, als ein sein (in der form-losigkeit eine negativ-form), das zur meditation einlädt. Wäre der gegenstand der meditation das eigene ich, so wäre das im falle Warhols allerdings paradox, denn Warhol hat sich nie als ein ich gesehn, eher als ein nichts: "Ich sehe gern in spiegel. Ein kritiker hat auch gesagt, ich wäre ein spiegel. Aber was ergibt sich, wenn ein spiegel in einen spiegel schaut...?"

Warhols 'all is pretty' ist die radikalste absage an jegliche form des kritizismus, eine ungeheuere einverständniserklärung mit den dingen und dem zustand der welt, ein grenzenloses geltenlassen und zusichselbstkommen des ganzen und ungeteilten.

Im 'all is pretty' kulminiert die differenzlosigkeit zu einem exstatischen glücksgefühl, das an Nietzsches wiederkehr des gleichen anklingt.

Alles ist gleich grossartig, weil gleich langweilig, weil und zu gleich schön. Das schöne ist hier nicht gleichbedeutend mit dem guten, weil auf dem boden der unterscheidungslosigkeit schon jenseits von gut und böse angesiedelt. Sisyphos war auch und gerade in der hölle glücklich.

Weiter gehts jetzt mit. Ästhetik der Teilnahme

Ist dir langweilig?

 

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© multi.trudi 2003 - 3454  reads since 28.05. 2003